Blick die Stätte seiner blühenden und duftenden Wissenschaft. Da kam aus dem Roßstall unser kleiner Freund Athalwin im Kranze seiner hellgelben Locken. »Vergiß mir ja nicht, Kakus, einen rostigen Nagel in den Trinkkübel zu werfen. Wachis hat’s noch besonders aufgetragen! Daß er dich nicht wieder schlagen muß, wenn er heimkommt.« Und er warf die Thür zu. »Ewiger Verdruß mit diesen welschen Knechten!« sprach der kleine Hausherr mit wichtigem Stolz. »Seit der Vater fort ist und Wachis ihm ins Lager gefolgt, liegt alles auf mir: denn die Mutter, lieber Gott, ist wohl gut für die Mägde, aber die Knechte brauchen den Mann.« Und mit großem Ernst schritt das Büblein über den Hof. »Und sie haben vor mir gar nicht den rechten Respekt,« sprach er und warf die kirschroten Lippen auf und krauste die weiße Stirn. »Woher soll er auch kommen? Mit nächster Sunnwend bin ich volle neun Jahr: und sie lassen mich noch immer herumgehn mit einem Ding wie ein Kochlöffel.« Und verächtlich riß er an dem kleinen Schwert von Holz in seinem Gurt. »Sie dürften mir keck ein Weidmesser geben, ein rechtes Gewaffen. So kann ich nichts ausrichten und sehe nichts gleich.« Und doch sah er so lieblich, einem zürnenden Eros gleich, in seinem kniekurzen, ärmellosen Röckchen von feinstem weißem Leinen, das die liebe Hand der Mutter gesponnen und genäht und mit einem zierlichen roten Streifen durchwirkt hatte. »Gern lief’ ich noch auf den Anger und brächte der Mutter zum Abend die Waldblumen, die sie so liebt, mehr als unsre stolzesten Gartenblumen. Aber ich muß noch Rundschau halten, ehe sie mir die Thore schließen: denn: »Athalwin, hat der Vater gesagt, wie er ging, halt mir das Erbe recht in acht und wahre mir die Mutter! Ich verlaß mich auf dich!« Und ich gab ihm die Hand drauf. So muß ich Wort halten.« Damit schritt er den Hof entlang, an der Vorderseite des Wohnhauses vorüber, durchmusterte die Nebengebäude zur Rechten und wollte sich eben nach der Rückseite des Gevierts wenden, als er durch lautes Bellen der jungen Hunde zur Linken auf ein Geräusch an dem Holzzaun, der das Ganze umfriedete, merksam wurde. Er schritt nach der bezeichneten Ecke hin und erstaunte: denn auf dem Zaune saß oder über denselben herein stieg eine seltsame Gestalt. Es war ein großer, alter, hagrer Mann in grobem Wams von ganz rauhem Loden, wie ihn die Berghirten trugen: als Mantel hing eine mächtige Wolfsschur unverarbeitet von seinen Schultern nieder, und in der Rechten trug er einen riesigen Bergstock mit scharfer Stahlspitze, mit welchem er die Hunde abwehrte, die zornig an dem Zaun hinaufsprangen. Eilends lief der Knabe hinzu. »Halt, du landfremder Mann, was thust du auf meinem Zaun? – willst du gleich hinaus und herab?« Der Alte stutzte und sah forschend auf den schönen Knaben. »Herunter, sag’ ich!« wiederholte dieser. – »Begrüßt man so in diesem Hof den wegmüden Wandrer?« – »Ja, wenn der wegmüde Wandrer über den Hinterzaun steigt. Bist du was Rechtes und willst du was Rechtes, – da vorn steht das große Hofthor sperrangelweit offen: da komm’ herein.« »Das weiß ich selbst, wenn ich das wollte.« Und er machte Anstalt, in den Hof hereinzusteigen. »Halt,« rief zornig der Kleine, »da kommst du nicht herab! Faß, Griffo! Faß, Wulfo! Und wenn du die zwei jungen nicht scheust, so ruf’ ich die Alte. Dann gieb acht! He Thursa, Thursa, leid’s nicht!« Auf diesen Ruf schoß um die Ecke des Roßstalles ein riesiger, grau borstiger Wolfshund mit wütendem Gebell herbei und schien ohne weiteres dem Eindringling an die Gurgel springen zu wollen. Aber kaum stand das grimmige Tier vor dem Zaun, dem Alten gegenüber, so verwandelte...
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